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Keine Talentschule für Leverkusen

Vergangene Woche hat das Land bekannt gegeben, welche weiteren 25 Schulen als „Talentschulen“ gefördert werden. Leider ist wieder keine Leverkusener Schule darunter. Und das, obwohl wir schon im Sommer im Stadtrat auf unseren Vorschlag hin einstimmig beschlossen haben, die Stadt möge die Schulen bei der Bewerbung um das Förderprojekt unterstützen. Schließlich war Leverkusen schon in der ersten Bewerbungsrunde leer ausgegangen. Es ist ungemein frustrierend, dass das nicht geholfen hat. Ich frage mich: Hat Leverkusen denn keine fördernswerten Talente? Oder haben wir keine Schulen mit besonderen Herausforderungen? Natürlich haben wir beides: Talente und Herausforderungen. Der Bedarf ist groß. Viele Schulen in Leverkusen brauchen dringend mehr Personal, um wirklich unseren Schülerinnen und Schülern gerecht werden zu können. Deshalb habe ich mir da wirklich mehr erhofft. Schließlich hat Köln schon in der ersten Bewerbungsrunde eine Gesamtschule und ein Gymnasium in die Förderung bekommen. In der zweiten Förderrunde ist jetzt noch ein Berufskolleg dazugekommen. Selbst Bergisch-Gladbach hat jetzt mit der Nelson-Mandela-Gesamtschule eine Talentschule. Aber durch Leverkusen ist diese Chance jetzt wie der Verkehr einfach durchgerauscht.

Talentschulen gegen Bildungsungleichheit

Mit den Talentschulen werden Schulen mit sogenannten „besonderen Herausforderungen“ mit zusätzlichen Lehrkräften, Schulsozialarbeitern und anderen unterstützenden Kräften ausgestattet. Denn Schulen haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Probleme zu lösen. Manche Schulen haben finanzkräftige Fördervereine, mit denen sie viele gute Dinge tun können. Andere Schulen können davon nur träumen. Das Förderprogramm soll also der gerade in NRW besonders großen Bildungsungleichheit etwas entgegensetzen. Insgesamt 60 Schulen in NRW dürfen sich jetzt also Talentschulen nennen. Nur eben keine in Leverkusen. Womit wir mitten drin sind, im Problem der Bildungsungerechtigkeit.

Bildungsgerechtigkeit – Anspruch und Wirklichkeit

Bildungsgerechtigkeit und damit auch Chancengerechtigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten für alle Menschen ist einer der zentralen Grundwerte unserer Gesellschaft. Gleichzeitig zeigen alle Studien, dass der Bildungserfolg maßgeblich von der sozialen Herkunft abhängt. Damit verteilen sich Bildungschancen aber vor allem auch räumlich ungleich: je besser es Regionen und Kommunen geht, desto höher die Bildungserfolge ihrer Schüler. Und das hat weitreichende Konsequenzen. Das lässt sich unter anderem auch an den entmutigenden Daten zur Armutsverteilung in Deutschland ablesen. Von den viel zitierten gleichwertigen Lebensverhältnissen in Deutschland sind wir jedenfalls meilenweit entfernt.

Kein Kind zurücklassen statt bildungspolitischer Nebelkerzen

Dagegen müssen wir endlich was unternehmen. Wir können und wir sollten es uns nicht leisten, die Potentiale so vieler junger Menschen ungenutzt zu lassen. Aber, und hier liegt doch das eigentliche Problem, natürlich kann die Förderung von 60 Schulen in NRW nur ein Anfang sein. Denn auf Dauer kann Bildungsungleichheit nicht mit Förderprogrammen für einige wenige Schulen bekämpft werden. Das schafft nur neue Ungleichheiten, neue Gewinner und neue Verlierer. So wichtig für uns in Leverkusen eine Talentschule gewesen wäre, für das Problem der Bildungsgerechtigkeit ist das Förderprogramm letzten Endes nur eine bildungspolitische Nebelkerze. Denn, wer endlich Bildungsgerechtigkeit schaffen möchte, muss aus JEDER Schule eine Talentschule machen. Damit kein Kind zurückgelassen wird!