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Lehrerwerbung ohne Substanz

Schulministerin Yvonne Gebauer rettet die Schulen mit einer Imagekampagne. Als Influencer mit Pultstatus soll der Lehrerberuf sein angestaubtes Image aufpolieren damit endlich mehr junge Menschen Lehrer werden wollen. Dabei fehlen Lehrer in erster Linie an den Grund- ,Haupt und Realschulen. Hier wird schlechter bezahlt bei teilweise höheren Anforderungen im Umgang mit den Schülern. Hierzu kein Wort und kein Konzept. Stattdessen eine "coole Kampagne für einen coolen Beruf". Ich bezweifle, dass das funktioniert: Wer wenn nicht die Schüler kennen den Lehrerberuf? Eine solche Kampagne ist maximal anbiedernd und besitzt überhaupt keine "street credibility". Im Gegenteil, es ist einfach nur lächerlich. Lehrer NRW hat ein ehrliches Pressestatement veröffentlicht (hier der Originallink), das ich hier im Wortlaut verwenden möchte:

Pressestatement von Lehrer NRW

Die Lehrerwerbekampagne von Schulministerin Yvonne Gebauer ist ein Versuch, mehr junge Leute für den Lehrerberuf zu begeistern. Ob aber anbiedernde Sprüche im Jugend-Jargon („Ein Leben lang Influencer? Kannste haben!“) heutige Abiturienten überzeugen, den Studiengang Master of Education zu wählen, darf bezweifelt werden. Die heute vorgestellte Kampagne macht Lehrerwerbung mit dem Holzhammer. Sie nimmt nicht das Substanzielle des Lehrerberufs in den Blick.
„Schon der immer wieder auftauchende Begriff ‘Influencer‘ ist problematisch. Lehrkräfte sollen und wollen keine Beeinflusser sein, sondern Impulsgeber, Wegweiser und kritische Unterstützer, die Schüler zu selbstständigem Denken animieren und zu einer breiten Bildung führen“, sagt die lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach. „Wer junge Menschen für den Lehrerberuf gewinnen will, muss an zwei Stellschrauben drehen – der Bezahlung und den Rahmenbedingungen.“

Über Geld spricht man nicht

Es ist sehr enttäuschend, dass die Schulministerin das Besoldungsthema heute mit keinem Wort erwähnt hat. Dabei schien die Notwendigkeit, nun auch in der Sekundarstufe I im Eingangsamt nach A13 zu besolden, innerhalb der Landesregierung erkannt zu sein. lehrer nrw bleibt daher bei seiner Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Ausbildung, das heißt: A13 für alle Lehrkräfte. Von der zweiten Stellschraube, mit der sich die Attraktivität des Lehrerberufs steigern ließe, war in der heutigen Pressekonferenz leider ebenfalls kaum die Rede: Die Rahmenbedingungen an den meisten Schulen sind seit Jahren schlecht. Kleinere Klassen, eine moderate Absenkung des Pflichtstundendeputats, eine Reduzierung der infolge ausufernder Bürokratie anfallenden Mehrarbeit, mehr Zeit fürs Kerngeschäft – guten Unterricht – und ganz allgemein die Abschaffung der Ungleichbehandlung einzelner Schulformen: Das wären gute Argumente zur Nachwuchsgewinnung. Dazu bräuchte es noch nicht einmal eine Kampagne.